life balance

Seit ich meinen Vertrag mit dem baskischen Team "Bizkaia-Durango" im Mai aufgelöst hatte, habe ich mir endlich mal die Auszeit von jeglichen Verpflichtungen, Erwartungen und Vorschriften genommen, welche ich seit meinem Zusammenbruch 2017 nötig gehabt hätte. Bereits 2018 wieder auf Worldtourlevel zu fahren war nicht ideal, schon gar nicht das ganze Unterfangen auch noch mit einem Nebenjob zu verbinden um so den finanziellen Druck zu nehmen. 

Es war viel mehr so, dass ich einen "Stressor" abschwächte, damit aber einen anderen verstärkte. 

 

Im Mai bin ich spontan die Rennen in China gefahren mit meinem früheren Sportlichen Leiter Manel Lacambra. Diese zwei Wochen haben mich in meiner Entscheidung bestätigt. Zwar war ich nicht in Topform aber ich konnte das Team zum Sieg führen. Wenn einer weiss, wozu ich fähig bin und wie man dies aus mir herausholen kann, dann Manel!! 

Viel wichtiger aber, ich habe den Spass am Rennen fahren wieder gefunden sowie das Vertrauen in meine Fähigkeiten. Es hat mir extrem viel Freude bereitet mit diesen jungen Athletinnen zu arbeiten und sie zu persönlichen Erfolgen zu führen. 

 

Der Juni stellte mich dann auf eine harte Probe mit sehr viel unvorhergesehener Arbeit und der zusätzlichen Belastung der Transferphase. Ich kam an mein Limit und merkte, wie ich mich Kleinigkeiten und vor allem die Unzuverlässigkeit anderer immer mehr nervten. Es gab viele Tage wo ich zweimal arbeiten und zweimal trainieren musste. Ich gestaltete mir jeden Tag eine eindrückliche "to-do-list"!! Ab einem gewissen Punkt konnte ich nicht mehr abschalten, hetzte von Termin zu Termin und bekam Schlafprobleme. Mir war schon klar, dass diese Entwicklung für mich mit meiner Vorgeschichte gefährlich war, aber ich konnte diesen Prozess in dem Moment nicht stoppen weil ich niemanden hängen lassen wollte. Jedoch kenne ich die Symptome von Überlastung nur zu gut und mir war klar, dass ich dies mit einer Erholungsphase ausgleichen musste.

Deshalb fuhr ich dann im Juli für 2 Wochen in ein Trainingslager in die Alpen. Ich hatte Zeit einfach mal im Moment zu leben, mir keine Gedanken über strukturiertes Training, Erholung und Ernährung zu machen... Kein Druck, keine Erwartungen, kein Terminstress, keine Verpflichtungen auf SocialMedia. Einfach ausgedrückt: ich hatte einfach mal Zeit für mich! 

 

Das "Positive" an solchen Krisen ist ja, dass man gezwungen wird, über sein Leben zu reflektieren. Erst da wurde mir eigentlich bewusst, wie viel ich sehr früh in meiner Karriere erreicht habe, auf wie viel ich dafür verzichtet habe und wie viel ich mir selbst abverlangt habe. Ich selbst war es, die in sämtlichen Lebensbereichen nach immer mehr strebte, sich pushte und nach einem Erfolg bereits nach dem nächsten strebte ohne für einen kurzen Moment zu geniessen. 

Ehrgeiz, Leistungswillen, Disziplin und Durchhaltewillen sind eigentlich sogenannte "positive" Charaktereigenschaften. Ich bin aber überzeugt, dass sie auch sehr gefährlich werden können, wenn sie zu extrem ausgeprägt sind und vor allem wenn man sie in eine Sache investiert, für die man Talent hat. So war es zumindest bei mir. Denn man will ja niemanden enttäuschen oder sich vorwerfen lassen, dass man sein Talent wegwerfen würde. 

 

Nach meinen Ferien folgten für mich 60 Stunden Wochen mit arbeiten und trainieren. Eigentlich erwartete ich, dass ich nach einer Woche "völlig am Ende" sein würde, doch erstaunlicherweise ging ich plötzlich mit einer ganz neuen Leichtigkeit durch diese Tage. 

 Mir ist klar, dass für die meisten nicht wirklich nachvollziehbar ist, wie man ein solches Leben freiwillig wählen kann. Mittlerweile glaube ich aber aus Erfahrung sagen zu können, dass ich schon immer extrem ehrgeizig war und ich deshalb viel mehr unter Unterforderung als Überforderung leiden würde. 

Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren habe ich aber gelernt, auch mal zufrieden zu sein und meinen Perfektionismus einen Gang zurückzuschalten. 

Denn was wäre mein Alltag ohne ein bisschen Chaos?! Würde ich wirklich einem gut bezahlten "9 to 5" Bürojob nachgehen wollen? Wäre ich glücklich "nur" Radprofi zu sein? Wohl kaum! 

Profiradsport ist an sich schon ein hartes Business. Ihn mit einem normalen Job zu verbinden ist definitiv auf mehreren Ebenen eine ständige Herausforderung. Die grösste Herausforderung ist die Lockerheit zu behalten!! Diese habe ich glücklicherweise endlich wieder gefunden. Ich glaube, dass Zufriedenheit ein ganz wichtiger Teil davon ist. Perfektionismus und Selbstzweifel hingegen sind starke "Blocker" dafür.

Darum fixiere ich mich mehr auf den Weg und weniger auf das Ergebnis (denn damit muss man sowieso umgehen wenn man sein Bestes gegeben hat). Erinnere mich vermehrt daran, was ich bereits geschafft habe und welche Krisen ich überstanden habe. Dann geht das mit der Lockerheit auch ganz einfach; denn hei kann es noch schlimmer kommen als es war?!?! Wohl kaum und bisschen was gelernt hat man ja aus der Vergangenheit auch...! ;-)

 

Deshalb nehme ich den Rest der Saison wie er kommt. Es stehen noch ein paar Herausforderungen auf dem Programm. Die erste wird am Freitag die Tortour Sprint im 3er-Team für "Summits4Hope" sein. 390km non-stop ist auch für mich Neuland und wird wahrscheinlich vor allem eine mentale Herausforderung werden. 

 

 

Tour of Zhoushan Island & Tour of Taiyuan

Mitte Mai reiste ich ziemlich kurzfristig für 2 Wochen nach China um die Rennen in Zhoushan Island und Taiyuan mit dem japanischen Team "High Ambition 2020" zu fahren.

 

Meinen Vertrag mit dem spanischen Team "Bizkaia-Durang" habe ich per Ende April auf eigenen Wunsch aufgelöst.

Die Zeit im Baskenland war nicht einfach und ich brauchte etwas Zeit um dies zu verdauen und vor allem um die Motivation wieder zu finden. Eine Transferphase mitten in der Saison ist immer mit viel Stress verbunden.

Als ich die Einladung erhielt, diese Rennen in China zu fahren, musste ich nicht lange überlegen und nahm diese Chance gerne an, vor allem weil das Team von Manel, meinen früheren Sportlichen Leiter bei Cylance, geführt wird.

 

Die Rennen in Zhoushan Island haben mir richtig viel Spass gemacht und zum ersten Mal dieses Jahr war die Rennfahrerin zu sehen, als die ich bekannt bin. Meine Aufgabe war es, jeden Tag die Sprinterinnen "weich zu kochen" an den Steigungen und das Rennen hart machen. Dies gelang perfekt und unsere Sprinterin lieferte ab!! 

Der letzte Tag wurde nochmals richtig hart, weil ich einerseits das Tempo alleine machen musste und wir auch von der 3. platzierten Mannschaft angegriffen wurden. So musste ich schon das eine oder andere Mal ziemlich in den roten Bereich fahren um uns im Spiel um den Gesamtsieg zu halten. In der 3. von 4 Runden machten wir dann richtig ernst weil die Leaderin schon Mühe hatte das Tempo in den Anstiegen mitzugehen und so fuhr ich die Sprintwertung richtig hart an, um gleich danach in den Anstieg zu attackieren. Unser Plan ging auf und die Leaderin explodierte - leider ich wenig später auch...! Was ich danach zu sehen bekam, war dann weit entfernt von sportlicher Fairness: die Leaderin nahm 4!! "sticky bottles" im Anstieg und liess sich so zurück in die Gruppe ziehen am Auto. Als unser DS Manel den Kommissär zur Rede stellte, antwortete dieser nur trocken: "wir sind hier kein Worldtour-Rennen, ich kann sie nicht disqualifizieren. IHR MÜSST HALT DAS RENNEN MACHEN!!" Zum Glück habe ich das nicht gehört, denn ich hätte ihm definitiv meine beiden Bidons nachgeworfen... Provokation vom Allerfeinsten!!

Somit gewannen wir die Tour knapp nicht, aber wir haben alles richtig gemacht und über solche Unsportlichkeiten sollte man sich besser nicht zu viele Gedanken machen, denn ändern kann man dies sowieso nicht!!

Später bekam der Kommissär wohl doch kalte Füsse und verhängte immerhin 20 Strafsekunden.

 

Am nächsten Tag ging die Reise weiter in Richtung Peking nach Taiyuan. Am Tag vor dem Rennen fuhr unser DS den grössten Teil des 170km langen Rundkurses ab und ich habe ihn noch nie so kaputt gesehen wie an diesem Tag!! Am Abend vor dem Rennen fand eine Eröffnungsfeier statt und die Chinesen bewiesen einmal mehr, dass sie darin absolute Weltklasse sind!! Die Drohnen-Lichtshow war schlichtweg gigantisch!!

Am Renntag standen dann nebst den 170km Rennen auch noch 30km Transfer "by bike" auf dem Programm, was 200km bedeutete. Und dies bei 40°C!!

Heute wollten wir unbedingt den Sieg heimfahren und entsprechend motiviert standen wir am Start. Die ersten 30km waren flach und nichts geschah. Am ersten Berg war ich dann gefragt und das Feld explodierte. Schliesslich verblieben 20 Fahrerinnen. Ich musste weiterhin das Tempo machen, was mich doch recht viele Körner kostete. Schliesslich konnten wir mit einigen Attacken eine 3er Gruppe mit 2 Fahrerinnen von uns machen. Somit konnte ich mich kurz erholen, war dann aber alleine unterwegs und die verbleibenden 70km wurden ziemlich lang... Später holte ich noch 2 Fahrerinnen auf und leider habe ich den Sprint ein paar Meter zu spät eröffnet und somit beendete ich das Rennen auf dem 11. Rang! Viel wichtiger aber war: Doppelsieg für unser Team!! 

Wir 3 waren riiiichtig happy weil wir echt hart dafür gearbeitet haben und wenn dann ein Plan aufgeht ist es einfach nur genial! :-)

 

Die Zeit in China war super! Endlich hatte ich wieder richtig Spass am Rennen fahren, ein Gefühl, das ich in den letzten Monaten schmerzlich vermisst habe. Gut zu sehen war auch, dass nach den Rennen andere Sportliche Leiter mir gratuliert haben - ja im Radsport gewinnt nicht immer unbedingt derjenige, der es am meisten verdient hätte, aber das macht diesen Sport ja auch so interessant und da ich eben nicht endschnell bin, machte es keinen Sinn auf mich zu setzen. Mich hat aber der Sieg von Arianna Fidanza in Taiyuan mehr gefreut, wie wenn ich selbst gewonnen hätte, denn es ist schön zu sehen, wenn eine junge Athletin dank deiner Unterstützung ihren grössten Erfolg erreicht.

 

Persönliche Stellungnahme zum Fall "Campana"

Ende November erschien ein Artikel über unsere Klage an die Ethics Commission der UCI in der holländischen Zeitung "Volkskrant". Im Dezember folgte ein Beitrag im "Tagi".

Eigentlich wollte ich dazu nicht weiter Stellung nehmen, aber aufgrund extremer Reaktionen möchte ich hier einige persönliche Gedanken teilen.

Es ist wahrscheinlich nachvollziehbar, dass ich als Betroffene nicht verstehen kann, wie man ein solches Verhalten als "normal" oder "notwendig" erachten kann um Spitzenleistungen einzufordern. Auch 4 Monate später hat der Schweizer Hauptsponsor "bigla" die Chance nicht genutzt, Versäumtes nachzuholen oder Fragen zu stellen - das allein zeichnet aber in meinen Augen auch ein deutliches Bild... 

 

 

Zu den Fakten: Ende 2015 haben wir erfolgreich unsere ausstehenden Lohnzahlungen und Preisgelder über den Schweizer Verband eingeklagt. Meine Prämie für den SM-Titel war da jedoch ausgeschlossen. Für mich äusserst fragwürdig wie man als Hauptsponsor sowas nicht mitbekommt, denn dies hatte auch zur Folge, dass das Team keine Lizenz mehr erhalten hatte vom Schweizer Verband.

Im März 2016 haben 10 ehemalige Mitglieder des Bigla Pro Cycling Teams gegen den Teammanager / DS Thomas Campana bei der Ethics Commission der UCI sogenannte "complaints" eingereicht. 

Die Ethics Commission informierte uns nach einiger Zeit, dass es nicht möglich sei anonym zu klagen und so zogen fast alle Athletinnen / Staff ihre "complaints" zurück. Ich hatte grosse Angst aber ich wollte Gerechtigkeit für mich und vor allem für meine Teamkolleginnen. Erst später (nachdem es Campana zum Lesen vorgelegt wurde) wurde uns mitgeteilt, dass wir kein Anrecht auf das Urteil oder die Stellungnahme der Gegenseite haben würden. Ebenso, dass Teammanager und Sportliche Leiter von Sanktionen ausgeschlossen seien. Eine Farce!! 

 

Das erste Mal bin ich persönlich mit Campana aneinander geraten an der SM in Steinmaur weil ich nicht seiner Meinung war und ihm widersprach - dies wiederum duldete er nicht.

Unter denkbar schlechten Voraussetzungen reiste ich danach an den Giro. Und da passierte es: ich stürzte schwer und war nicht in der Verfassung noch weiterzufahren (über eine knochentiefe Schnittwunde am Knie wollte ich einfach ein Pflaster kleben, was schon zeigte, dass ich nicht ganz zurechnungsfähig war), geschweige denn noch zu einer weiteren Etappe zu starten. Aber als Edelhelferin hatte ich nicht das "Recht" auszusteigen zugunsten meiner Gesundheit. Der Druck war derart gross, dass mich widersetzen und nach Hause fahren schlicht keine Option war. 

Ich suchte den Rennarzt auf und er gab mir eigentlich keine Starterlaubnis mehr, was mich dann auch noch in eine recht unangenehme Situation brachte, da ich am nächsten Tag trotzdem startete...

Es war mein schlimmstes Rennen. Ich konnte kaum geradeaus fahren weil ich enorme Probleme mit der Visualisierung hatte. Mir war hundeelend, ich verschätzte mich mit Distanzen und Geschwindigkeiten. Totaler Kontrollverlust! Irgendwie schaffte ich es die Etappe zu Ende zu fahren. Beim Gedanken daran, dass mir noch 5 weitere Etappen bevorstehen würden, bekam ich regelrecht Panik, denn wie sollte ich in meinem Zustand eine Abfahrt bewältigen? Zu meinem Glück rief am nächsten Morgen unser Teamarzt an und informierte über die gesundheitlichen Risiken und Langzeitfolgen woraufhin ich dann unverzüglich nach Hause geschickt wurde. Allerdings waren die Folgen bereits gravierend... 

  

Persönlich hatte ich wahrscheinlich den "krassesten" Konflikt ausgefochten. Ich hatte teilweise richtig Angst und musste mit harten Mitteln für meine Rechte kämpfen. Es waren extreme Monate, welche mich psychisch an mein Limit gebracht haben. Mit der Hälfte des Teams durfte ich nicht mehr sprechen. Genauso verbot er mir bereits früher mit Fahrerinnen und Managern anderer Teams zu sprechen (weil Gerüchte kursierten, dass ich bereits für ein anderes Team unterschrieben hätte - was sogar stimmte ;-)), woran ich mich natürlich nicht gehalten habe, denn dies ging in meinen Augen definitiv zu weit. Für die WM in Richmond wollte er mir mein Zeitfahrrad nicht rausgeben, damit ich mich nicht darauf vorbereiten kann und genauso versuchte er mit allen Mitteln einen Start an der Bahn-EM in Grenchen zu verhindern (wo bigla u.a. Sponsor war). Bis am Ende bin ich allen meinen vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen. Bin sogar im November noch für ein Rennen nach Südafrika geflogen - keine einfache Situation um es diplomatisch auszudrücken. Ich habe nicht klein beigegeben und meine Rechte eingefordert. Doch der Preis den ich dafür zahlte war hoch! Nach aussen wirkte ich vielleicht abgeklärt und teilweise sogar fast schon emotionslos aber wer mich während der Holland Ladies Tour im Hotelgang beobachtet hat, wusste ganz genau was abging (insbesondere als ich zu einem "4-Augen-Gespräch" in den Teamcamper beordert wurde) - er versuchte mich emotional zu erpressen für ein weiteres Jahr zu unterschreiben. Eigentlich eine völlig absurde Situation!! Ich war völlig am Ende mit den Nerven aber niemand konnte mir helfen, denn damit hätte man sich selbst dem Wolf zum Frass vorgeworfen - und das hätte ich niemals zugelassen. 

 

Ich weiss, dass ich das Richtige getan habe, auch wenn es mich später an den Tiefpunkt meines Lebens befördert hat. Bis heute habe ich nicht darüber gesprochen weil ich daran zweifelte, ob man mir glauben würde und wie sich gezeigt hat, waren/sind diese Bedenken nicht unberechtigt. Es war schon heftig, wie negativ die Reaktionen ausfielen, dass ich ein Schweizer Team verlassen habe. Nach Aussen musste ich natürlich bis Ende Jahr den Schein wahren, was manchmal schon schwierig war bei allem was vorgefallen war. 

Es ist schon schockierend, wie viele Menschen ein solches Verhalten im professionellen Sport als "normal" oder "notwendig" erachten. Ich bin überzeugt, dass man dadurch gute Leistungen kurzfristig erzwingen kann aber herausragende Leistungen nur durch eigene Motivation erreichen kann. Vor allem aber bin ich der Meinung, dass ein solches Verhalten schlicht inakzeptabel ist und unter keinen Umständen gerechtfertigt werden sollte bzw. wie in allen anderen Lebensbereichen entsprechend sanktioniert werden sollte.

 

Auch als ich das Team Ende Jahr verlassen hatte, war der Kampf nicht beigelegt. Es war eine schwierige Zeit und es war nicht immer einfach ruhig zu bleiben oder sich nicht davon ablenken zu lassen. So versuchte er z.B. andere Teams während der Emakumeen Bira zu manipulieren, um zu verhindern, dass ich das Bergpreistrikot gewinnen würde!! Gewonnen habe ich es trotzdem und ich glaube sogar meine Ex-Teamkolleginnen waren am Ende froh über diesen Ausgang, denn es war offensichtlich, dass es ihnen äusserst unangenehm war mit solchen Mitteln zu kämpfen.

Es gibt unzählige solcher Episoden und auch wenn jede Einzelne nicht so schwer wiegt, so war die Situation doch enorm belastend. Ich musste heimlich mit Kolleginnen sprechen; es war ein ständiges Versteckspiel das einfach nur "krank" war!!

 

Mittlerweile habe ich das Geschehene akzeptiert und ich bin vor allem wirklich froh, dass es Caro Baur mittlerweile wieder gut geht in den USA. 

Leider begleiten mich die Folgeschäden dieser Gehirnerschütterung noch heute. 

Manchmal habe ich extreme Kopfschmerzen, Vertigo oder Konzentrationsschwierigkeiten. Auch mit Stress und Druck kann ich schlechter umgehen genauso wie ich manchmal extreme Stimmungsschwankungen habe. 

Meine Familie und Freunde wissen, wie sehr mich diese Gehirnerschütterung insbesondere während den ersten 2 Jahren danach gequält hat. Es wäre mir lieber gewesen, ich hätte mir 100 Knochen gebrochen. Nächtelang bin ich wach gelegen, hatte Kopfschmerzen und Vertigo, Stimmungsschwankungen, Visualisierungsprobleme und Gleichgewichtsstörungen. 

Ich war unglaublich hart zu mir selbst weil ich nicht akzeptieren wollte, dass ich gewisse Einschränkungen hatte. Zudem konnte ich dies während der Saison 2016 durch Erfolge äusserst gut kaschieren. Damit habe ich mir leider keinen Gefallen getan, wie sich im Juni 2017 gezeigt hat... Mein Körper hat mir alle erdenklichen Signale gesendet endlich eine Pause einzulegen aber mein Kopf hat sich genau so heftig dagegen gewehrt. 

Über das folgende Kapitel mag ich nicht wirklich sprechen, sondern es dabei belassen, dass es eine extrem intensive und schwierige Zeit für mich und mein Umfeld war. 

Während den letzten 2 Jahren habe ich einfach gelernt, damit umzugehen und meine eigene Strategie gefunden, um die Symptome unter Kontrolle zu haben. 

In meinem Leben hat sich dadurch viel verändert und ich habe vor allem auch erkannt, dass enorm viel Arbeit, Willenskraft und positive Einstellung dazu geführt haben, dass es mir heute gut geht! Es war eine "Scheisszeit" aber sie hat mich auch vieles gelehrt und mein Leben ausserhalb des Sports bereichert. Dafür bin ich dankbar und das Leben ist eh zu kurz um sich mit der Vergangenheit rumzuschlagen. Jede Herausforderung birgt auch neue Chancen und die gilt es nun positiv zu nutzen...!! :-)

 

 

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"Du bist zu dick"
Artikel im Tagi
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6. Rang Weltmeisterschaft TTT in Innsbruck

Natürlich kann man einen 6.Platz nicht mit einer Medaille vergleichen, welche ich in dieser Disziplin schon gewonnen habe, aber wenn man den Weg dahin analysiert, kann ich damit mehr als zufrieden sein!

 

Seit meinem unglücklichen Sturz am Giro Rosa musste ich nicht nur mit angebrochenen Rippen sowie einer starken Erkältung kämpfen, sondern auch mit der Motivation.

Dass ich mich dann 2 Monate alleine zuhause auf die WM vorbereiten musste, ohne Renneinsatz und ohne Teamtraining war nicht einfach. Zudem absolvierte ich die gesamte Vorbereitung auf dem Strassenrad und sass somit nur gerade zwei Tage vor dem WM-Rennen noch auf dem Zeitfahrrad. 

Darum war ich am Start auch sehr nervös, doch zum Glück ist man bei einem Teamzeitfahren sehr schnell im Laktat und hat keine Energie um sich die "was wenn..."-Fragen zu stellen! 

Wir absolvierten die 54km in etwas mehr als einer Stunde mit einem Schnitt über 50km/h! Es war definitiv schmerzhaft ;-)

Am Ende reichte unsere Leistung zu Rang 6 womit wir sicher zufrieden sein dürfen. Damit konnte ich meine Saison äusserst positiv abschliessen! :-)

Gleichzeitig war es auch mein letzter Einsatz für das dänische Team, da ich auf die kommende Saison in ein spanisches Team wechseln werde, das sich mehr auf die bergigen Rennen konzentriert. 

Achterbahn der Gefühle

Lange habe ich mich hier nicht mehr gemeldet. Dies liegt daran, dass mich die letzten paar Monate auf eine harte Probe gestellt haben.

Alles begann mit einem scheinbar harmlosen Sturz auf der 3. Etappe des Giro Rosa, den ich später deshalb aufgeben musste. Wie sich im Nachhinein herausstellte hatte ich mir mehrere Rippen gequetscht und dadurch konnte ich nicht mehr richtig atmen, was natürlich ziemlich ungünstig ist im Ausdauersport... Weil ich mich trotzdem weiter durchgekämpft habe, wurde ich deshalb auch noch richtig krank und lag mehrere Tage mit einer heftigen Erkältung im Bett - husten war nun wirklich das Letzte das ich mit meinen verletzten Rippen tun wollte. 

Meine Enttäuschung darüber kann ich nicht in Worte fassen. Dafür habe ich mich ein Jahr zurückgekämpft, habe eine Reko gemacht und sehr hart dafür gearbeitet. Ich wäre bereit gewesen. Am meisten ärgert mich, dass der Sturz sehr weit vorne im Feld passierte und ich mir deshalb auch keinen Vorwurf machen kann, was es umso schwieriger machte die Sache zu akzeptieren. Doch wie sagt man so schön; die Zeit heilt alle Wunden...!

 

Kaum konnte ich wieder einigermassen normal trainieren folgte der nächste Tiefschlag: ich stürzte so unglücklich im Training, dass ich zum allerersten Mal in 10 Jahren Radsport den Notfall aufsuchte. Ich hatte meinen Ellbogen ganz schön heftig verschlagen. Obwohl ich natürlich nicht hätte radfahren sollen, war ich am nächsten Tag wieder auf dem Velo weil ich am Sonntag mein Heimrennen nicht verpassen wollte. So stand ich tatsächlich am Sonntag am Start beim Kriterium Olten; jedoch mit ziemlich starken Schmerzen (das Problem ist weniger der Schmerz an sich aber dass man dadurch die Kontrolle über das Velo verlieren kann) und einer gehörigen Portion Unsicherheit. Einige Stürze von Junioren in den ersten Runden trugen dann nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei, jedoch konnte ich Runde um Runde meine Ängste besser in den Griff bekommen und mit einem guten Angriff konnte ich das Rennen am Ende sogar für mich entscheiden!! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut weil es so unerwartet kam! :) Eigentlich wäre es schon ein Erfolg gewesen, das Rennen auch nur zu beenden.

Auch am GP Oberbaselbiet (ein Rennen das mir eigentlich auch nicht unbedingt liegt mit den kurzen Anstiegen) gelang mir eine starke Leistung. Leider blieben die unermüdlichen Angriffe von Marcia Eicher und mir am Ende unbelohnt, da auch mein letzter Angriff auf dem letzten Kilometer nicht fruchtete. Dafür konnte ich die Bergpreiswertung für mich entscheiden.

 

Zum ersten Mal seit meinem Zusammenbruch fühlte ich mich wieder gesund und fit. Ich hatte Spass am Training und mein Körper reagierte wieder positiv auf Trainingsreize. Jedoch war es mental sehr schwer mich immer wieder von Neuem zu motivieren, da ich für keine Rennen aufgeboten wurde und mich auch Swiss Cycling mit totaler Ignoranz "bestrafte". Somit fuhr ich u.a. das Bergrennen auf den Balmberg wo ich immerhin richtig viel Spass hatte und auch den Streckenrekord bei den Frauen pulverisierte. Auch das Rennen mit den Amateuren in Savagnier machte mir Spass und trotzdem stellte ich mir irgendwann die Frage: wofür trainiere ich jeden Tag so hart? Warum nehme ich jeden Tag die Doppelbelastung Spitzensport und Arbeit auf mich? Weshalb opfere ich jedes Wochenende?

Eigentlich gibt es darauf keine rationale Antwort. 

Ich denke, wahre Stärke zeigt sich nicht in den Siegen, sondern darin, wie man mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht. Ich hätte 1000 Gründe gehabt, aufzugeben aber das ist nicht meine Art und es gibt kein schöneres Gefühl, wie genau solche Herausforderungen erfolgreich und mit einem Lächeln zu meistern. 

 

Ich sehe diese Erfahrungen jetzt einfach als Test an und schaue positiv in die Zukunft. Mir blieb dieses Jahr wirklich nichts erspart aber ich habe die Dinge stets akzeptiert wie sie waren und meine Energie darin investiert, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen und positiv zu bleiben!

 

Never forget to smile!! :)