6. Rang Weltmeisterschaft TTT in Innsbruck

Natürlich kann man einen 6.Platz nicht mit einer Medaille vergleichen, welche ich in dieser Disziplin schon gewonnen habe, aber wenn man den Weg dahin analysiert, kann ich damit mehr als zufrieden sein!

 

Seit meinem unglücklichen Sturz am Giro Rosa musste ich nicht nur mit angebrochenen Rippen sowie einer starken Erkältung kämpfen, sondern auch mit der Motivation.

Dass ich mich dann 2 Monate alleine zuhause auf die WM vorbereiten musste, ohne Renneinsatz und ohne Teamtraining war nicht einfach. Zudem absolvierte ich die gesamte Vorbereitung auf dem Strassenrad und sass somit nur gerade zwei Tage vor dem WM-Rennen noch auf dem Zeitfahrrad. 

Darum war ich am Start auch sehr nervös, doch zum Glück ist man bei einem Teamzeitfahren sehr schnell im Laktat und hat keine Energie um sich die "was wenn..."-Fragen zu stellen! 

Wir absolvierten die 54km in etwas mehr als einer Stunde mit einem Schnitt über 50km/h! Es war definitiv schmerzhaft ;-)

Am Ende reichte unsere Leistung zu Rang 6 womit wir sicher zufrieden sein dürfen. Damit konnte ich meine Saison äusserst positiv abschliessen! :-)

Gleichzeitig war es auch mein letzter Einsatz für das dänische Team, da ich auf die kommende Saison in ein spanisches Team wechseln werde, das sich mehr auf die bergigen Rennen konzentriert. 

Achterbahn der Gefühle

Lange habe ich mich hier nicht mehr gemeldet. Dies liegt daran, dass mich die letzten paar Monate auf eine harte Probe gestellt haben.

Alles begann mit einem scheinbar harmlosen Sturz auf der 3. Etappe des Giro Rosa, den ich später deshalb aufgeben musste. Wie sich im Nachhinein herausstellte hatte ich mir mehrere Rippen gequetscht und dadurch konnte ich nicht mehr richtig atmen, was natürlich ziemlich ungünstig ist im Ausdauersport... Weil ich mich trotzdem weiter durchgekämpft habe, wurde ich deshalb auch noch richtig krank und lag mehrere Tage mit einer heftigen Erkältung im Bett - husten war nun wirklich das Letzte das ich mit meinen verletzten Rippen tun wollte. 

Meine Enttäuschung darüber kann ich nicht in Worte fassen. Dafür habe ich mich ein Jahr zurückgekämpft, habe eine Reko gemacht und sehr hart dafür gearbeitet. Ich wäre bereit gewesen. Am meisten ärgert mich, dass der Sturz sehr weit vorne im Feld passierte und ich mir deshalb auch keinen Vorwurf machen kann, was es umso schwieriger machte die Sache zu akzeptieren. Doch wie sagt man so schön; die Zeit heilt alle Wunden...!

 

Kaum konnte ich wieder einigermassen normal trainieren folgte der nächste Tiefschlag: ich stürzte so unglücklich im Training, dass ich zum allerersten Mal in 10 Jahren Radsport den Notfall aufsuchte. Ich hatte meinen Ellbogen ganz schön heftig verschlagen. Obwohl ich natürlich nicht hätte radfahren sollen, war ich am nächsten Tag wieder auf dem Velo weil ich am Sonntag mein Heimrennen nicht verpassen wollte. So stand ich tatsächlich am Sonntag am Start beim Kriterium Olten; jedoch mit ziemlich starken Schmerzen (das Problem ist weniger der Schmerz an sich aber dass man dadurch die Kontrolle über das Velo verlieren kann) und einer gehörigen Portion Unsicherheit. Einige Stürze von Junioren in den ersten Runden trugen dann nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei, jedoch konnte ich Runde um Runde meine Ängste besser in den Griff bekommen und mit einem guten Angriff konnte ich das Rennen am Ende sogar für mich entscheiden!! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut weil es so unerwartet kam! :) Eigentlich wäre es schon ein Erfolg gewesen, das Rennen auch nur zu beenden.

Auch am GP Oberbaselbiet (ein Rennen das mir eigentlich auch nicht unbedingt liegt mit den kurzen Anstiegen) gelang mir eine starke Leistung. Leider blieben die unermüdlichen Angriffe von Marcia Eicher und mir am Ende unbelohnt, da auch mein letzter Angriff auf dem letzten Kilometer nicht fruchtete. Dafür konnte ich die Bergpreiswertung für mich entscheiden.

 

Zum ersten Mal seit meinem Zusammenbruch fühlte ich mich wieder gesund und fit. Ich hatte Spass am Training und mein Körper reagierte wieder positiv auf Trainingsreize. Jedoch war es mental sehr schwer mich immer wieder von Neuem zu motivieren, da ich für keine Rennen aufgeboten wurde und mich auch Swiss Cycling mit totaler Ignoranz "bestrafte". Somit fuhr ich u.a. das Bergrennen auf den Balmberg wo ich immerhin richtig viel Spass hatte und auch den Streckenrekord bei den Frauen pulverisierte. Auch das Rennen mit den Amateuren in Savagnier machte mir Spass und trotzdem stellte ich mir irgendwann die Frage: wofür trainiere ich jeden Tag so hart? Warum nehme ich jeden Tag die Doppelbelastung Spitzensport und Arbeit auf mich? Weshalb opfere ich jedes Wochenende?

Eigentlich gibt es darauf keine rationale Antwort. 

Ich denke, wahre Stärke zeigt sich nicht in den Siegen, sondern darin, wie man mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht. Ich hätte 1000 Gründe gehabt, aufzugeben aber das ist nicht meine Art und es gibt kein schöneres Gefühl, wie genau solche Herausforderungen erfolgreich und mit einem Lächeln zu meistern. 

 

Ich sehe diese Erfahrungen jetzt einfach als Test an und schaue positiv in die Zukunft. Mir blieb dieses Jahr wirklich nichts erspart aber ich habe die Dinge stets akzeptiert wie sie waren und meine Energie darin investiert, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen und positiv zu bleiben!

 

Never forget to smile!! :)

 

 

"L`essentiel est invisible pour les yeux"

Seit meiner Rückkehr auf Worldtour-Level sind bereits einige Wochen vergangen und ich fahre zurzeit die Ardennen-Klassiker, mein erstes kleines Saisonziel. Ich hatte eine gute Vorbereitung mit qualitativ guten Trainings welche ich mit einigen Trainingsrennen in der Schweiz ergänzt habe. Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick geben, was es für mich bedeutet bei diesen 3 grossen Klassikern dabei zu sein.

 

Der Sport hat mir die intensivsten Emotionen, positive sowie negative, geschenkt. Er hat mich stärker, selbstbewusster und zielstrebiger gemacht. Ich habe unzählige wertvolle Erfahrungen gemacht, vieles entdecken können, wundervolle Menschen kennen gelernt und vieles über mich selbst gelernt. 

Ich habe geglaubt, in dieser Welt meinen Platz gefunden zu haben - bis zu dem Moment, als diese zu meinem grössten Alptraum wurde. 

Niemandem konnte ich erklären, wie ich mich fühlte oder was mir fehlte, denn ich hatte ja angeblich einen Traumjob - was für ein fataler Trugschluss! Wie erklärst du, dass du deswegen gerade durch die Hölle gehst?!

 

Als Profi-Radfahrer wechselst du deine "Familie auf Zeit" ständig. Dadurch sind viele enge Freundschaften in kürzester Zeit entstanden. Doch was, wenn die Chemie einfach nicht stimmt? Was wenn deine Wertvorstellungen nicht kompatibel sind mit dem Kern der "Familie"? Schwierig... Es gab niemanden, dem ich mich hätte anvertrauen können oder wo ich das Gefühl hatte, auf Verständnis zu stossen. Denn die Message war klar: ein kranker, verletzter Athlet steht ganz weit unten auf der Prioritätenliste. 

Es gäbe unzählige Episoden, welche "meine Hölle" ziemlich gut beschreiben würden. Einmal musste ich z.B. eine Woche in der Firma eines Hauptsponsors um die Ohren schlagen. Könnt ihr euch vorstellen, wie einsam es nach Feierabend in einem solchen Gebäude ist? Wie beängstigend das Blinken der Alarmanlage werden kann? Ich sehnte regelrecht den Arbeitsbeginn herbei bis ich realisierte, dass gerade alle in die Osterferien gefahren sind!! Die Einsamkeit liess mich verzweifeln denn natürlich war dieser Gebäudekomplex irgendwo im nirgendwo...

Ich hätte ja jemanden anrufen können zu Hause, aber das habe ich natürlich nicht getan, denn ich wollte ja keine Sorgen bereiten. Vielleicht hätte ich das mal tun sollen... Was aber hätte ich auf die Standardfrage "wie gehts?" geantwortet? Wahrscheinlich geheult wie ein Schlosshund oder den Blickkontakt vermeidet und von mir abgelenkt!

Jedenfalls hatte ich genügend Zeit um darüber nachzudenken, weshalb man sowas tut. Die Schlussfolgerung war ernüchternd: Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit. Eine schmerzhafte Erkenntnis.

Zum Glück habe ich meinen Humor nie verloren und ich kann heute über viele solcher Episoden herzhaft lachen. Wie z.B. als ich im Zug von Pisa nach Siena einen Heulanfall hatte weil ich erstens total übermüdet war da ich morgens um 5 Uhr an den falschen Flughafen gefahren wurde, den Flug umbuchen musste und dann die Fluggesellschaft auch noch mein Velo verloren hatte. Diese Woche gehört allerdings nicht dazu! 

 

Als ich die Diagnose Übertraining/Überlastung sowie "leakygut-syndrom" erhielt, stand für mich eines fest: meine gesamten Lebensgewohnheiten der letzten 25 Jahre konnte ich erstmal über Bord werfen! Einfacher gesagt als getan, denn Loslassen ist ein Prozess keine Aktion! 

Dabei wurde mir bewusst, dass ich bis vor 2 Jahren in meinem Leben immer Vollgas gegeben hatte und deshalb war der Kontrast zum Profileben auch so gross. Statt nach dem Training für die nächste Prüfung zu lernen, arbeiten zu gehen oder für die Uni zu lesen, war meine Aufgabe plötzlich im Bett liegen und nichts tun. Daran bin ich grossartig gescheitert! Ich konnte keine Minute ruhig bleiben, auch wenn ich körperlich erschöpft war, konnte ich innerlich nicht entspannen. Ständig habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich noch optimieren könnte oder ob es jetzt angebracht sei einen Abend mit Freunden zu verbringen und habe mich damit selbst in den Wahnsinn getrieben. Deshalb begann ich wieder halbtags zu arbeiten. Am Anfang war das sehr erfrischend, da ich für einige Stunden nicht mehr Athletin war, in einem anderen Umfeld war und meine Gedanken nicht beim Radsport waren.

Als ich jedoch wieder in den Trainings- und Athletenalltag eingestiegen bin, stellte mich dies vor neue Herausforderungen. Für mich war es völlig normal morgens um 6 Uhr ein Core-Training zu absolvieren, um 7 Uhr trainieren zu gehen oder aufgrund der Dunkelheit erste Intervalle auf dem Hometrainer zu fahren. Es ist ein Unterschied, ob du im Sommer bei 15 Grad um 7 Uhr losfährst oder im Winter bei Minustemperaturen für mehrere Stunden trainieren gehst. Manchmal musste ich früher arbeiten gehen oder abends länger bleiben, was mich manchmal vor grosse Herausforderungen stellte. Doch eines habe ich im Radsport gelernt: flexibel bleiben!! 

Gerade in meiner Situation war es nicht immer einfach und ich bin an meine Grenzen gestossen, denn die Doppelbelastung war schon sehr hoch und ich musste das eine oder andere mal einen Gang zurückschalten, lernen wieder auf meinen Körper und Geist zu hören und vor allem Limiten zu respektieren. 

Stück für Stück habe ich mein Leben wieder unter Kontrolle bekommen und vielleicht zum ersten Mal auf meine Bedürfnisse geachtet. 

 

All das klingt jetzt irgendwie doch recht einfach, doch das war es keineswegs!! Lange haben mich Selbstzweifel, Ungewissheit und Ängste geplagt. Ich habe den Regenerationsprozess eingeschlagen ohne Garantie auf Genesung, ohne Garantie auf eine Rückkehr in den Radsport und ohne zeitliche Angaben. Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein Perfektionist bin, der sich niemals mit 99% zufrieden gibt. Besonders das Loslassen fiel mir lange enorm schwer, war aber schlussendlich der wichtigste Prozess. 

Der alles entscheidende Unterschied von heute zu vor einigen Monaten ist jedoch, dass ich mich nicht mehr "schäme" für das Geschehene, sondern dass ich mittlerweile mit Stolz auf eine enorm wichtige Lebensphase zurückblicken kann. Diese Gefühle zu erkennen und zuzulassen hat ganz schön viel Zeit gebraucht! 

 

Manchmal fällt es mir schwer, mich an diese "Hölle" zurückzuerinnern oder davon zu erzählen. Aber genau dann wird mir jeweils bewusst, wie viel sich seitdem in meinem Leben zum Positiven gewendet hat. 

Ich glaube auch, dass mich die Leute in meinem Wohnblock mittlerweile als "bisschen verrückt" abgestempelt haben, allerdings im positiven Sinne ;-) Mein Tagesablauf ist so völlig anders wie das der meisten Menschen und deshalb für die meisten auch völlig unverständlich. Umso mehr schätze ich es, wenn ich auf Verständnis treffe. 

Dass ich nun bei den Ardennen-Klassikern am Start stehe ist für mich alles andere als selbstverständlich. Es steht enorm viel und harte Arbeit dahinter. Als mich meine Arbeitskollegen z.B. fragten was ich über die Ostertage gemacht habe, so waren sie mehr wie erstaunt, als ich mit "trainieren" geantwortet habe. Denn genau das ist der Punkt: ich arbeite von Montags bis Freitags, habe aber dann nicht ein freies Wochenende sondern dann stehen für mich entweder zwei grosse Trainingstage oder ein Rennwochenende an. Momentan habe ich nicht viel Freizeit und deswegen lege ich auch grossen Wert darauf, dass ich zwischendurch doch immer ein bisschen Zeit für mich finde. Da bin ich sehr bedacht darauf und es bedeutet auch, dass ich vermehrt "nein" sage zu Dingen, die mich zu sehr einengen oder stressen würden.

Vor allem aber habe ich auch erkannt, dass ich nur das Beste aus mir herausholen kann, wenn ich glücklich bin bei dem was ich tue, was bedeutet, dass ich z.B. kein schlechtes Gewissen mehr habe, wenn ich eben einen Abend mit Freunden verbringe oder Zeit mit der Familie verbringe.

 

Nur eine Sache bereitet mir manchmal Bauchschmerzen: wenn Leute zu mir aufblicken aufgrund meiner sportlichen Erfolge. Sicher, es ist schön Wertschätzung zu erfahren und ich schätze dies enorm. Manchmal da muss ich schmunzeln wenn ich mich in Zeitlupentempo die Bahnhofstreppe hinaufschleppe weil ich total übersäuerte Muskeln habe - und insgeheim hoffe, dass mich jetzt bloss niemand erkennt!! Ja, das Leben eines Profisportlers ist nicht immer so glamourös wie es in den Medien oft dargestellt wird... und der Weg an die Spitze in den wenigsten Fällen ein Sonntagsspaziergang... 

Der Weg aus meinem Tief zurück an den Start eines Worldtour-Rennens war für mich noch viel schwieriger wie der Weg dorthin! Dass ich beim Amstel Gold Race noch mit grosser Unsicherheit am Start stand ist da irgendwie verständlich. Obwohl ich durch schlechte Positionierung ein gutes Resultat verpasst habe, habe ich gesehen, dass mein Körper wieder leistungsfähig ist und darum sind mir gestern bei Fleche Wallonne auch gefühlte 1000 Steine von den Schultern gefallen, als ich nicht nur mitgefahren bin, sondern dem Rennen meinen Stempel aufdrücken konnte. Es war enorm wichtig für mich und mein Team, dass ich abliefere und ich bin extrem froh, ist mir dies bereits so früh gelungen. Es gibt noch sehr vieles zu verbessern und zu optimieren, aber es war auch von enormer Wichtigkeit einen positiven Start in die Saison zu haben. 

 

Die Türen zu einem neuen Abschnitt in meinem Leben als Profirennfahrerin stehen nun offen und ich bin extrem positiv eingestellt für den letzten Klassiker Liège-Bastogne-Liège am kommenden Sonntag.

Noch viel wichtiger aber ist, dass ich erkannt habe, was für mich wichtig ist um das Beste aus mir herauszuholen und dass ich den Mut habe, die nötigen Schritte dafür zu tun.

 

Strade Bianche :)

Die vierte Austragung der Womens World Tour Strade Bianche auf den Schotterwegen rund um Siena war eine eiskalte Schlammschlacht!

 

Da es am Donnerstag auch in Siena stark schneite und Minustemperaturen herrschten, wurden einige Offroad-Sektoren unfahrbar aufgrund des Eises. Darum entflammte auf den Social Media sowie innerhalb der Athletenkommissionen eine rege Diskussion, das "Extreme Weather Protocol" hinzuzuziehen. Klar, es war kalt & nass, doch die Wetterprognosen für Freitag und Samstag sagten Regen und Temperaturen über dem Gefrierpunkt voraus, deshalb liessen mich solche Diskussionen auch relativ kalt und ich stellte mich auf ein kaltes, nasses und matschiges Rennen ein. 

Eigentlich waren diese sehr schwierigen Bedingungen nur zu meinem Vorteil, denn im Gegensatz zu vielen meiner Konkurrentinnen habe ich den ganzen Winter über bei Kälte, Regen und Schnee trainiert. 

 

Kurz vor unserem Start um 9 Uhr begann es dann auch stark zu regnen und so entschied ich mich, in der Regenjacke zu starten, was sich als weise Entscheidung herausstellte, denn ich hatte nie das Bedürfnis sie auszuziehen! Am Start war ich schon etwas nervös, da es mein erstes Rennen nach einer langen Trainingspause und einer 8-monatigen Rennpause war. Doch ich wusste auch, dass ich gut trainierte hatte im Winter, fühlte mich gesund und freute mich einfach, wieder am Start eines meiner absoluten Lieblingsrennen zu stehen!

Ich benötigte ein wenig Zeit um mich im Feld zurechtzufinden, was mich in ein paar heikle Situationen gebracht hat, doch physisch fühlte ich mich gut und nach der ersten Stunde waren auch die letzten Zweifel und Ängste weg.

Ich hatte richtig Spass durch den Schlamm zu fahren und auch mit der Kälte und Nässe kam ich gut zurecht.

Als es in den entscheidenden Sektor ging, war unser Team in den vordersten Positionen präsent, doch leider erwischte unsere Leaderin dann ein Loch und hatte einen Hinterraddefekt. So liess ich mich hinten an die Wagenkolonne zurückfallen um sie wieder zurück ins Feld zu fahren. Natürlich war das Rennen nun voll im Gange und das Feld teilte sich in unzählige Grüppchen. Mich hat dieser Effort dann ein paar Körner zu viel im falschen Moment gekostet, was leider "Game over" bedeutete. Doch das ist Radsport, ein Teamsport. Am Ende ging unser Team leer aus, denn das Glück lag heute nicht auf unserer Seite... 

Im Grossen und Ganzen bin ich jedoch sehr zufrieden mit meinem "Comeback" und das Gefühl war gut. Nun gilt es, den letzten Feinschliff für die ersten grossen Ziele im April zu holen. 

 

Heute morgen stand dann waschen auf dem Programm: noch nie war ich so voller Dreck! Doch der Spass war es wert!! Es war auf jeden Fall eine unvergessliche Austragung von Strade Bianche! 

 

"Life lessons" & Neuanfang

Ende Jahr hatte ich weder Lust einen Saisonrückblick zu machen, noch über meine Ziele/Pläne zu sprechen...

 

Zum einen lag dies daran, dass der Dezember extrem fordernd war und zum andern dass ich nicht wusste wo anzufangen da vieles unsicher und weniges langfristig planbar war. Nun habe ich "abgeschlossen" mit dem Alten Jahr und blicke positiv in die Zukunft. Eines ist an dieser Stelle jedenfalls sicher: es kann nur besser werden!! :)

 

Nach einer extrem strengen Adventszeit habe ich die Tage bis zum 1-wöchigen Trainingslager in Girona (Katalonien) gezählt. 

Diesen Aufenthalt in meinem "zweiten Zuhause" habe ich sehr genossen und es tat gut viele gute Freunde wieder zu sehen und natürlich konnte ich eine Woche unter super Bedingungen trainieren! 

 

Das letzte halbe Jahr hat von mir viel mentale Stärke, Selbstkontrolle, Fokussierung, Einsatz und Veränderungen gefordert!

Manchmal habe ich den Glauben (sowie die Geduld) an eine Genesung beinahe verloren. Der ganze Regenerationsprozess war enorm fordernd doch heute weiss ich, dass ich dadurch zu einer stärkeren, ausgeglicheneren und fröhlicheren Athletin/Person geworden bin.

Ohne die Unterstützung meines langjährigen Coaches, meiner Sportlichen Leiterin, meines Sportarztes, Maria von "trainyoureyes" sowie meiner Familie und Freunden wäre dies nicht möglich gewesen. 

Ich weiss nicht wie ich euch allen danken kann, aber vielleicht sind ein Lächeln im Gesicht sowie die Freude am Radsport schon mal ein guter Anfang.

 

Verletzungen, Krankheit, Übertraining, Folgeschäden einer Hirnerschütterung sowie ein grosser Verlust haben mir nicht nur physisch zugesetzt, sondern besonders auch auf der mentalen Ebene ihre Spuren hinterlassen. Grundlegende Veränderungen mussten her um meine Balance wieder zu finden. 

In erster Linie musste ich aufhören zuviel nachzudenken und alles zu hinterfragen was bedeutete, dass ich mich beschäftigen musste und einen geordneten Tagesablauf benötigte. Deshalb entschied ich mich dazu, morgens zu trainieren und nachmittags einer normalen Arbeit nachzugehen. Manchmal ist es eine grosse Herausforderung aber es hat mich auch effizienter gemacht. Momentan hält es mich zumindest auf dem richtigen Weg und bewahrt mich davor, mir zu viele Gedanken zu machen. Dabei kann ich auch nicht leugnen, dass es erfrischend ist für einige Stunden ein ganz normales Leben zu führen - abgesehen von dem ab und zu etwas erhöhten Laktatpegel in den Beinen ;-). Zudem war es extrem erholsam für einige Monate keinen Flughafen gesehen zu haben, kein Velokoffer zu schleppen sowie eine Wohnung und keinen Koffer mein "Zuhause" zu nennen.

Zweitens brauchte ich ein Vergnügen nebst dem Radfahren/Sport. Nach beinahe 10 Jahren habe ich wieder begonnen Saxophon zu spielen; etwas, das ich schon lange vermisst hatte und das ich auch nur aus Zeitmangel aufgegeben hatte.

 

Der Radsport hat mich in den letzten Jahren auf harte Proben gestellt, doch die Freude am Velofahren habe ich dabei nie verloren. Den Glauben / die Illusion an einen sauberen, ethisch vertretbaren und respektvollen Sport jedoch teilweise schon. Besonders die letzten beiden Jahre habe ich mit einer kleinen Gruppe von Athletinnen sehr hart für mehr Rechte, Respekt und Wertschätzung gekämpft. Dabei musste ich auch persönlich für meine Rechte einstehen und mich dafür weit aus meiner Komfortzone begeben. Es war nicht einfach und manche Rückschläge haben uns zeitweise erstarren lassen - sie haben uns aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir nicht länger Ungerechtigkeiten hinnehmen, unsere Rechte einfordern und Werte vorleben! Es macht mich stolz zu sehen, dass daraus nun die "Cyclists Alliance" entstanden ist. Dies lässt mich auf eine bessere Zukunft hoffen und lässt mich gleichzeitig mit der Vergangenheit abschliessen. Dabei habe ich einige wichtige Lektionen fürs Leben gelernt...

 

Die wichtigste "life lesson" war dabei, dass ich, wenn die Zeit reif ist, meine Karriere mit Zufriedenheit beenden werde. So schmerzvoll der abrupte Unterbruch meiner Karriere zu Beginn auch war, hat er mir auch gezeigt, dass ich mich in einem "normalen Leben" zurechtfinden würde und noch viel wichtiger, dass ich mit vielen Erfahrungen und Erinnerungen im Rucksack in einen neuen Lebensabschnitt starten werde. 

Vorerst aber geniesse ich umso mehr die Zeit, in welcher ich meine Träume verfolgen darf.

 

Ich fühle mich gesund und bereit für sowas wie ein "Comeback". Ich habe mich zwar noch nicht zu 100% erholt, doch ich bin auf dem richtigen Weg und die Zeit wird zeigen wohin dieser führen wird - schwierige Wege führen ja oft zu schönen Zielen...

Apropos Zielen - diese habe ich natürlich schon lange in meinem Hinterkopf gehabt, doch ich bin auch Realist und war mir bewusst, dass ich mein Hauptziel nicht wählen kann. Meine Gesundheit hat für mich 2018 absolute Priorität! 

Sofern alles nach Wunsch & Plan verläuft werde ich meinen Hauptfokus auf den Giro Rosa, Emakumeen Bira, LaCourse sowie die Weltmeisterschaften legen.

 

Mein Saisonstart wird das Worldtour-Rennen "Strade Bianche" am 3.März sein. Eines meiner absoluten Lieblingsrennen - was hätte ich mir mehr wünschen können?! Ich freue mich darauf sowie bald alle neuen Gesichter der "Virtu"-Familie zu sehen! :)