Achterbahn der Gefühle

Lange habe ich mich hier nicht mehr gemeldet. Dies liegt daran, dass mich die letzten paar Monate auf eine harte Probe gestellt haben.

Alles begann mit einem scheinbar harmlosen Sturz auf der 3. Etappe des Giro Rosa, den ich später deshalb aufgeben musste. Wie sich im Nachhinein herausstellte hatte ich mir mehrere Rippen gequetscht und dadurch konnte ich nicht mehr richtig atmen, was natürlich ziemlich ungünstig ist im Ausdauersport... Weil ich mich trotzdem weiter durchgekämpft habe, wurde ich deshalb auch noch richtig krank und lag mehrere Tage mit einer heftigen Erkältung im Bett - husten war nun wirklich das Letzte das ich mit meinen verletzten Rippen tun wollte. 

Meine Enttäuschung darüber kann ich nicht in Worte fassen. Dafür habe ich mich ein Jahr zurückgekämpft, habe eine Reko gemacht und sehr hart dafür gearbeitet. Ich wäre bereit gewesen. Am meisten ärgert mich, dass der Sturz sehr weit vorne im Feld passierte und ich mir deshalb auch keinen Vorwurf machen kann, was es umso schwieriger machte die Sache zu akzeptieren. Doch wie sagt man so schön; die Zeit heilt alle Wunden...!

 

Kaum konnte ich wieder einigermassen normal trainieren folgte der nächste Tiefschlag: ich stürzte so unglücklich im Training, dass ich zum allerersten Mal in 10 Jahren Radsport den Notfall aufsuchte. Ich hatte meinen Ellbogen ganz schön heftig verschlagen. Obwohl ich natürlich nicht hätte radfahren sollen, war ich am nächsten Tag wieder auf dem Velo weil ich am Sonntag mein Heimrennen nicht verpassen wollte. So stand ich tatsächlich am Sonntag am Start beim Kriterium Olten; jedoch mit ziemlich starken Schmerzen (das Problem ist weniger der Schmerz an sich aber dass man dadurch die Kontrolle über das Velo verlieren kann) und einer gehörigen Portion Unsicherheit. Einige Stürze von Junioren in den ersten Runden trugen dann nicht wirklich zu meiner Beruhigung bei, jedoch konnte ich Runde um Runde meine Ängste besser in den Griff bekommen und mit einem guten Angriff konnte ich das Rennen am Ende sogar für mich entscheiden!! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut weil es so unerwartet kam! :) Eigentlich wäre es schon ein Erfolg gewesen, das Rennen auch nur zu beenden.

Auch am GP Oberbaselbiet (ein Rennen das mir eigentlich auch nicht unbedingt liegt mit den kurzen Anstiegen) gelang mir eine starke Leistung. Leider blieben die unermüdlichen Angriffe von Marcia Eicher und mir am Ende unbelohnt, da auch mein letzter Angriff auf dem letzten Kilometer nicht fruchtete. Dafür konnte ich die Bergpreiswertung für mich entscheiden.

 

Zum ersten Mal seit meinem Zusammenbruch fühlte ich mich wieder gesund und fit. Ich hatte Spass am Training und mein Körper reagierte wieder positiv auf Trainingsreize. Jedoch war es mental sehr schwer mich immer wieder von Neuem zu motivieren, da ich für keine Rennen aufgeboten wurde und mich auch Swiss Cycling mit totaler Ignoranz "bestrafte". Somit fuhr ich u.a. das Bergrennen auf den Balmberg wo ich immerhin richtig viel Spass hatte und auch den Streckenrekord bei den Frauen pulverisierte. Auch das Rennen mit den Amateuren in Savagnier machte mir Spass und trotzdem stellte ich mir irgendwann die Frage: wofür trainiere ich jeden Tag so hart? Warum nehme ich jeden Tag die Doppelbelastung Spitzensport und Arbeit auf mich? Weshalb opfere ich jedes Wochenende?

Eigentlich gibt es darauf keine rationale Antwort. 

Ich denke, wahre Stärke zeigt sich nicht in den Siegen, sondern darin, wie man mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht. Ich hätte 1000 Gründe gehabt, aufzugeben aber das ist nicht meine Art und es gibt kein schöneres Gefühl, wie genau solche Herausforderungen erfolgreich und mit einem Lächeln zu meistern. 

 

Ich sehe diese Erfahrungen jetzt einfach als Test an und schaue positiv in die Zukunft. Mir blieb dieses Jahr wirklich nichts erspart aber ich habe die Dinge stets akzeptiert wie sie waren und meine Energie darin investiert, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen und positiv zu bleiben!

 

Never forget to smile!! :)

 

 

Meisterschaften in Dänemark & Schweiz

Bei den Dänischen Meisterschaften im Teamzeitfahren starteten wir mit zwei Vierermannschaften und gewannen Gold und Silber. 

Für unser Team war dieser Titel natürlich wichtig für die Sponsoren doch es war auch für mich als Schweizerin speziell für einen Tag "Dänin" zu sein. 

 

Danach ging es auch schon bald weiter mit den Schweizermeisterschaften, welche ich aus dem Training bestritt, aber trotzdem ambitioniert war. Im Zeitfahren verpasste ich eine Medaille um wenige Sekunden, doch ich war trotzdem sehr zufrieden mit meiner Fahrt, da ich mich vor allem technisch gut gefahren bin, was bisher immer ein riesiges Defizit von mir war. Im Strassenrennen fühlte ich mich selten gefordert und ich fand kein Rezept um die 10 Fahrerinnen umfassende Spitzengruppe weiter zu reduzieren ohne die ganze Arbeit alleine machen zu müssen. Leider fehlte mir auf der letzten Runde in der Abfahrt der Mut und ich musste mich mit Rang 8 begnügen. Trotzdem blieb ein positives Gefühl, da ich mich physisch stark fühlte aber ich mit dem Kopf wohl schon beim Giro Rosa war...

 

 

Emakumeen Bira - "wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus"

Mit positiven Gefühlen kam ich von den Ardennen-Klassikern nach Hause und war sehr motiviert für die erste Rundfahrt dieses Jahr, Gracia Orlova. Auf der Königsetappe fuhr ich sehr offensiv und es war wohl hauptsächlich mir zu verdanken, dass die Spitzengruppe nicht mehr eingeholt wurde. Auch die zahlreichen Attacken im Finale verliefen im Sande und wir mussten uns mit dem zweiten Platz im Sprint abfinden. Im Zeitfahren platzierte ich mich in den ersten 20, was ganz ok war da ich mir wohl eine Magendarmverstimmung eingefangen hatte. Leider musste ich deshalb dann die Segel streichen, was natürlich sehr enttäuschend war, da ich bis dahin auf dem 12. Gesamtrang lag. Nach einigen Tagen Ruhe nahm ich dann die Vorbereitung für eine meiner Lieblingsrundfahrten, die Emakumeen Bira, wieder auf. Es waren zwei sehr harte aber auch enorm motivierende Wochen. Meine Leistungswerte gehen stetig aufwärts und mein Körper reagiert wieder positiv auf Trainingsreize. 

Doch natürlich wäre es viel zu einfach gewesen, wenn mal alles reibungslos verlaufen wäre... ;-) So sitze ich jetzt anstatt in Bilbao (einer Rennvorbereitung auf dem Rad, einer Massage und Nachtessen) am Flughafen in München und warte auf meinen Flug (per Taxi an die Teampräsentation fahren, ins Hotel zurück, kurz die Beine auf dem Hometrainer vertreten & schlafen). Der wurde nämlich heute morgen annulliert. Auch wenn es enorm mühsam ist, bleibt mir nichts anderes übrig wie ruhig zu bleiben und das Beste aus einer Situation zu machen, die ich eh nicht ändern kann. 

Bis vor einigen Wochen war ich noch überzeugt, dass dies das grosse "Comeback-Rennen" sein würde, doch in den letzten Tagen wurde mir klar, dass es so eines niemals geben wird. Einerseits empfinde ich dies als enorme Erleichterung denn tatsächlich war meine grösste Angst, ob ich jemals wieder dieselbe Rennfahrerin werden würde wie zuvor. Fakt ist aber, dass nichts und niemand mir jemals meine Erfolge nehmen kann und ich ehrlich gesagt eigentlich ganz schön viele schöne Erfolge einfahren konnte - dies war mir nur nie so richtig bewusst, bzw. ich hatte nie Zeit sie richtig zu geniessen. 

Die viel wichtigere Erkenntnis aber liegt darin, dass ich niemals dieselbe Rennfahrerin sein werde, weil ich nicht zurückgehen möchte, sondern vorwärts. Nur eine Handvoll Menschen weiss, was ich das letzte Jahr durchgemacht habe und wie viel Mut, Optimismus, Vertrauen und Selbstreflexion es gebraucht hat um an dem Punkt zu stehen, wo ich heute stehe - als Mensch sowie als Rennfahrerin! 

 

Nun hoffe ich, dass das Glück morgen wieder auf meiner Seite steht und ich bin extrem motiviert ein offensives Rennen zu fahren! :)

 

"L`essentiel est invisible pour les yeux"

Seit meiner Rückkehr auf Worldtour-Level sind bereits einige Wochen vergangen und ich fahre zurzeit die Ardennen-Klassiker, mein erstes kleines Saisonziel. Ich hatte eine gute Vorbereitung mit qualitativ guten Trainings welche ich mit einigen Trainingsrennen in der Schweiz ergänzt habe. Heute möchte ich euch einen kleinen Einblick geben, was es für mich bedeutet bei diesen 3 grossen Klassikern dabei zu sein.

 

Der Sport hat mir die intensivsten Emotionen, positive sowie negative, geschenkt. Er hat mich stärker, selbstbewusster und zielstrebiger gemacht. Ich habe unzählige wertvolle Erfahrungen gemacht, vieles entdecken können, wundervolle Menschen kennen gelernt und vieles über mich selbst gelernt. 

Ich habe geglaubt, in dieser Welt meinen Platz gefunden zu haben - bis zu dem Moment, als diese zu meinem grössten Alptraum wurde. 

Niemandem konnte ich erklären, wie ich mich fühlte oder was mir fehlte, denn ich hatte ja angeblich einen Traumjob - was für ein fataler Trugschluss! Wie erklärst du, dass du deswegen gerade durch die Hölle gehst?!

 

Als Profi-Radfahrer wechselst du deine "Familie auf Zeit" ständig. Dadurch sind viele enge Freundschaften in kürzester Zeit entstanden. Doch was, wenn die Chemie einfach nicht stimmt? Was wenn deine Wertvorstellungen nicht kompatibel sind mit dem Kern der "Familie"? Schwierig... Es gab niemanden, dem ich mich hätte anvertrauen können oder wo ich das Gefühl hatte, auf Verständnis zu stossen. Denn die Message war klar: ein kranker, verletzter Athlet steht ganz weit unten auf der Prioritätenliste. 

Es gäbe unzählige Episoden, welche "meine Hölle" ziemlich gut beschreiben würden. Einmal musste ich z.B. eine Woche in der Firma eines Hauptsponsors um die Ohren schlagen. Könnt ihr euch vorstellen, wie einsam es nach Feierabend in einem solchen Gebäude ist? Wie beängstigend das Blinken der Alarmanlage werden kann? Ich sehnte regelrecht den Arbeitsbeginn herbei bis ich realisierte, dass gerade alle in die Osterferien gefahren sind!! Die Einsamkeit liess mich verzweifeln denn natürlich war dieser Gebäudekomplex irgendwo im nirgendwo...

Ich hätte ja jemanden anrufen können zu Hause, aber das habe ich natürlich nicht getan, denn ich wollte ja keine Sorgen bereiten. Vielleicht hätte ich das mal tun sollen... Was aber hätte ich auf die Standardfrage "wie gehts?" geantwortet? Wahrscheinlich geheult wie ein Schlosshund oder den Blickkontakt vermeidet und von mir abgelenkt!

Jedenfalls hatte ich genügend Zeit um darüber nachzudenken, weshalb man sowas tut. Die Schlussfolgerung war ernüchternd: Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit. Eine schmerzhafte Erkenntnis.

Zum Glück habe ich meinen Humor nie verloren und ich kann heute über viele solcher Episoden herzhaft lachen. Wie z.B. als ich im Zug von Pisa nach Siena einen Heulanfall hatte weil ich erstens total übermüdet war da ich morgens um 5 Uhr an den falschen Flughafen gefahren wurde, den Flug umbuchen musste und dann die Fluggesellschaft auch noch mein Velo verloren hatte. Diese Woche gehört allerdings nicht dazu! 

 

Als ich die Diagnose Übertraining/Überlastung sowie "leakygut-syndrom" erhielt, stand für mich eines fest: meine gesamten Lebensgewohnheiten der letzten 25 Jahre konnte ich erstmal über Bord werfen! Einfacher gesagt als getan, denn Loslassen ist ein Prozess keine Aktion! 

Dabei wurde mir bewusst, dass ich bis vor 2 Jahren in meinem Leben immer Vollgas gegeben hatte und deshalb war der Kontrast zum Profileben auch so gross. Statt nach dem Training für die nächste Prüfung zu lernen, arbeiten zu gehen oder für die Uni zu lesen, war meine Aufgabe plötzlich im Bett liegen und nichts tun. Daran bin ich grossartig gescheitert! Ich konnte keine Minute ruhig bleiben, auch wenn ich körperlich erschöpft war, konnte ich innerlich nicht entspannen. Ständig habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich noch optimieren könnte oder ob es jetzt angebracht sei einen Abend mit Freunden zu verbringen und habe mich damit selbst in den Wahnsinn getrieben. Deshalb begann ich wieder halbtags zu arbeiten. Am Anfang war das sehr erfrischend, da ich für einige Stunden nicht mehr Athletin war, in einem anderen Umfeld war und meine Gedanken nicht beim Radsport waren.

Als ich jedoch wieder in den Trainings- und Athletenalltag eingestiegen bin, stellte mich dies vor neue Herausforderungen. Für mich war es völlig normal morgens um 6 Uhr ein Core-Training zu absolvieren, um 7 Uhr trainieren zu gehen oder aufgrund der Dunkelheit erste Intervalle auf dem Hometrainer zu fahren. Es ist ein Unterschied, ob du im Sommer bei 15 Grad um 7 Uhr losfährst oder im Winter bei Minustemperaturen für mehrere Stunden trainieren gehst. Manchmal musste ich früher arbeiten gehen oder abends länger bleiben, was mich manchmal vor grosse Herausforderungen stellte. Doch eines habe ich im Radsport gelernt: flexibel bleiben!! 

Gerade in meiner Situation war es nicht immer einfach und ich bin an meine Grenzen gestossen, denn die Doppelbelastung war schon sehr hoch und ich musste das eine oder andere mal einen Gang zurückschalten, lernen wieder auf meinen Körper und Geist zu hören und vor allem Limiten zu respektieren. 

Stück für Stück habe ich mein Leben wieder unter Kontrolle bekommen und vielleicht zum ersten Mal auf meine Bedürfnisse geachtet. 

 

All das klingt jetzt irgendwie doch recht einfach, doch das war es keineswegs!! Lange haben mich Selbstzweifel, Ungewissheit und Ängste geplagt. Ich habe den Regenerationsprozess eingeschlagen ohne Garantie auf Genesung, ohne Garantie auf eine Rückkehr in den Radsport und ohne zeitliche Angaben. Wer mich kennt, der weiss, dass ich ein Perfektionist bin, der sich niemals mit 99% zufrieden gibt. Besonders das Loslassen fiel mir lange enorm schwer, war aber schlussendlich der wichtigste Prozess. 

Der alles entscheidende Unterschied von heute zu vor einigen Monaten ist jedoch, dass ich mich nicht mehr "schäme" für das Geschehene, sondern dass ich mittlerweile mit Stolz auf eine enorm wichtige Lebensphase zurückblicken kann. Diese Gefühle zu erkennen und zuzulassen hat ganz schön viel Zeit gebraucht! 

 

Manchmal fällt es mir schwer, mich an diese "Hölle" zurückzuerinnern oder davon zu erzählen. Aber genau dann wird mir jeweils bewusst, wie viel sich seitdem in meinem Leben zum Positiven gewendet hat. 

Ich glaube auch, dass mich die Leute in meinem Wohnblock mittlerweile als "bisschen verrückt" abgestempelt haben, allerdings im positiven Sinne ;-) Mein Tagesablauf ist so völlig anders wie das der meisten Menschen und deshalb für die meisten auch völlig unverständlich. Umso mehr schätze ich es, wenn ich auf Verständnis treffe. 

Dass ich nun bei den Ardennen-Klassikern am Start stehe ist für mich alles andere als selbstverständlich. Es steht enorm viel und harte Arbeit dahinter. Als mich meine Arbeitskollegen z.B. fragten was ich über die Ostertage gemacht habe, so waren sie mehr wie erstaunt, als ich mit "trainieren" geantwortet habe. Denn genau das ist der Punkt: ich arbeite von Montags bis Freitags, habe aber dann nicht ein freies Wochenende sondern dann stehen für mich entweder zwei grosse Trainingstage oder ein Rennwochenende an. Momentan habe ich nicht viel Freizeit und deswegen lege ich auch grossen Wert darauf, dass ich zwischendurch doch immer ein bisschen Zeit für mich finde. Da bin ich sehr bedacht darauf und es bedeutet auch, dass ich vermehrt "nein" sage zu Dingen, die mich zu sehr einengen oder stressen würden.

Vor allem aber habe ich auch erkannt, dass ich nur das Beste aus mir herausholen kann, wenn ich glücklich bin bei dem was ich tue, was bedeutet, dass ich z.B. kein schlechtes Gewissen mehr habe, wenn ich eben einen Abend mit Freunden verbringe oder Zeit mit der Familie verbringe.

 

Nur eine Sache bereitet mir manchmal Bauchschmerzen: wenn Leute zu mir aufblicken aufgrund meiner sportlichen Erfolge. Sicher, es ist schön Wertschätzung zu erfahren und ich schätze dies enorm. Manchmal da muss ich schmunzeln wenn ich mich in Zeitlupentempo die Bahnhofstreppe hinaufschleppe weil ich total übersäuerte Muskeln habe - und insgeheim hoffe, dass mich jetzt bloss niemand erkennt!! Ja, das Leben eines Profisportlers ist nicht immer so glamourös wie es in den Medien oft dargestellt wird... und der Weg an die Spitze in den wenigsten Fällen ein Sonntagsspaziergang... 

Der Weg aus meinem Tief zurück an den Start eines Worldtour-Rennens war für mich noch viel schwieriger wie der Weg dorthin! Dass ich beim Amstel Gold Race noch mit grosser Unsicherheit am Start stand ist da irgendwie verständlich. Obwohl ich durch schlechte Positionierung ein gutes Resultat verpasst habe, habe ich gesehen, dass mein Körper wieder leistungsfähig ist und darum sind mir gestern bei Fleche Wallonne auch gefühlte 1000 Steine von den Schultern gefallen, als ich nicht nur mitgefahren bin, sondern dem Rennen meinen Stempel aufdrücken konnte. Es war enorm wichtig für mich und mein Team, dass ich abliefere und ich bin extrem froh, ist mir dies bereits so früh gelungen. Es gibt noch sehr vieles zu verbessern und zu optimieren, aber es war auch von enormer Wichtigkeit einen positiven Start in die Saison zu haben. 

 

Die Türen zu einem neuen Abschnitt in meinem Leben als Profirennfahrerin stehen nun offen und ich bin extrem positiv eingestellt für den letzten Klassiker Liège-Bastogne-Liège am kommenden Sonntag.

Noch viel wichtiger aber ist, dass ich erkannt habe, was für mich wichtig ist um das Beste aus mir herauszuholen und dass ich den Mut habe, die nötigen Schritte dafür zu tun.

 

Strade Bianche :)

Die vierte Austragung der Womens World Tour Strade Bianche auf den Schotterwegen rund um Siena war eine eiskalte Schlammschlacht!

 

Da es am Donnerstag auch in Siena stark schneite und Minustemperaturen herrschten, wurden einige Offroad-Sektoren unfahrbar aufgrund des Eises. Darum entflammte auf den Social Media sowie innerhalb der Athletenkommissionen eine rege Diskussion, das "Extreme Weather Protocol" hinzuzuziehen. Klar, es war kalt & nass, doch die Wetterprognosen für Freitag und Samstag sagten Regen und Temperaturen über dem Gefrierpunkt voraus, deshalb liessen mich solche Diskussionen auch relativ kalt und ich stellte mich auf ein kaltes, nasses und matschiges Rennen ein. 

Eigentlich waren diese sehr schwierigen Bedingungen nur zu meinem Vorteil, denn im Gegensatz zu vielen meiner Konkurrentinnen habe ich den ganzen Winter über bei Kälte, Regen und Schnee trainiert. 

 

Kurz vor unserem Start um 9 Uhr begann es dann auch stark zu regnen und so entschied ich mich, in der Regenjacke zu starten, was sich als weise Entscheidung herausstellte, denn ich hatte nie das Bedürfnis sie auszuziehen! Am Start war ich schon etwas nervös, da es mein erstes Rennen nach einer langen Trainingspause und einer 8-monatigen Rennpause war. Doch ich wusste auch, dass ich gut trainierte hatte im Winter, fühlte mich gesund und freute mich einfach, wieder am Start eines meiner absoluten Lieblingsrennen zu stehen!

Ich benötigte ein wenig Zeit um mich im Feld zurechtzufinden, was mich in ein paar heikle Situationen gebracht hat, doch physisch fühlte ich mich gut und nach der ersten Stunde waren auch die letzten Zweifel und Ängste weg.

Ich hatte richtig Spass durch den Schlamm zu fahren und auch mit der Kälte und Nässe kam ich gut zurecht.

Als es in den entscheidenden Sektor ging, war unser Team in den vordersten Positionen präsent, doch leider erwischte unsere Leaderin dann ein Loch und hatte einen Hinterraddefekt. So liess ich mich hinten an die Wagenkolonne zurückfallen um sie wieder zurück ins Feld zu fahren. Natürlich war das Rennen nun voll im Gange und das Feld teilte sich in unzählige Grüppchen. Mich hat dieser Effort dann ein paar Körner zu viel im falschen Moment gekostet, was leider "Game over" bedeutete. Doch das ist Radsport, ein Teamsport. Am Ende ging unser Team leer aus, denn das Glück lag heute nicht auf unserer Seite... 

Im Grossen und Ganzen bin ich jedoch sehr zufrieden mit meinem "Comeback" und das Gefühl war gut. Nun gilt es, den letzten Feinschliff für die ersten grossen Ziele im April zu holen. 

 

Heute morgen stand dann waschen auf dem Programm: noch nie war ich so voller Dreck! Doch der Spass war es wert!! Es war auf jeden Fall eine unvergessliche Austragung von Strade Bianche!