Tour of Zhoushan Island & Tour of Taiyuan

Mitte Mai reiste ich ziemlich kurzfristig für 2 Wochen nach China um die Rennen in Zhoushan Island und Taiyuan mit dem japanischen Team "High Ambition 2020" zu fahren.

 

Meinen Vertrag mit dem spanischen Team "Bizkaia-Durang" habe ich per Ende April auf eigenen Wunsch aufgelöst.

Die Zeit im Baskenland war nicht einfach und ich brauchte etwas Zeit um dies zu verdauen und vor allem um die Motivation wieder zu finden. Eine Transferphase mitten in der Saison ist immer mit viel Stress verbunden.

Als ich die Einladung erhielt, diese Rennen in China zu fahren, musste ich nicht lange überlegen und nahm diese Chance gerne an, vor allem weil das Team von Manel, meinen früheren Sportlichen Leiter bei Cylance, geführt wird.

 

Die Rennen in Zhoushan Island haben mir richtig viel Spass gemacht und zum ersten Mal dieses Jahr war die Rennfahrerin zu sehen, als die ich bekannt bin. Meine Aufgabe war es, jeden Tag die Sprinterinnen "weich zu kochen" an den Steigungen und das Rennen hart machen. Dies gelang perfekt und unsere Sprinterin lieferte ab!! 

Der letzte Tag wurde nochmals richtig hart, weil ich einerseits das Tempo alleine machen musste und wir auch von der 3. platzierten Mannschaft angegriffen wurden. So musste ich schon das eine oder andere Mal ziemlich in den roten Bereich fahren um uns im Spiel um den Gesamtsieg zu halten. In der 3. von 4 Runden machten wir dann richtig ernst weil die Leaderin schon Mühe hatte das Tempo in den Anstiegen mitzugehen und so fuhr ich die Sprintwertung richtig hart an, um gleich danach in den Anstieg zu attackieren. Unser Plan ging auf und die Leaderin explodierte - leider ich wenig später auch...! Was ich danach zu sehen bekam, war dann weit entfernt von sportlicher Fairness: die Leaderin nahm 4!! "sticky bottles" im Anstieg und liess sich so zurück in die Gruppe ziehen am Auto. Als unser DS Manel den Kommissär zur Rede stellte, antwortete dieser nur trocken: "wir sind hier kein Worldtour-Rennen, ich kann sie nicht disqualifizieren. IHR MÜSST HALT DAS RENNEN MACHEN!!" Zum Glück habe ich das nicht gehört, denn ich hätte ihm definitiv meine beiden Bidons nachgeworfen... Provokation vom Allerfeinsten!!

Somit gewannen wir die Tour knapp nicht, aber wir haben alles richtig gemacht und über solche Unsportlichkeiten sollte man sich besser nicht zu viele Gedanken machen, denn ändern kann man dies sowieso nicht!!

Später bekam der Kommissär wohl doch kalte Füsse und verhängte immerhin 20 Strafsekunden.

 

Am nächsten Tag ging die Reise weiter in Richtung Peking nach Taiyuan. Am Tag vor dem Rennen fuhr unser DS den grössten Teil des 170km langen Rundkurses ab und ich habe ihn noch nie so kaputt gesehen wie an diesem Tag!! Am Abend vor dem Rennen fand eine Eröffnungsfeier statt und die Chinesen bewiesen einmal mehr, dass sie darin absolute Weltklasse sind!! Die Drohnen-Lichtshow war schlichtweg gigantisch!!

Am Renntag standen dann nebst den 170km Rennen auch noch 30km Transfer "by bike" auf dem Programm, was 200km bedeutete. Und dies bei 40°C!!

Heute wollten wir unbedingt den Sieg heimfahren und entsprechend motiviert standen wir am Start. Die ersten 30km waren flach und nichts geschah. Am ersten Berg war ich dann gefragt und das Feld explodierte. Schliesslich verblieben 20 Fahrerinnen. Ich musste weiterhin das Tempo machen, was mich doch recht viele Körner kostete. Schliesslich konnten wir mit einigen Attacken eine 3er Gruppe mit 2 Fahrerinnen von uns machen. Somit konnte ich mich kurz erholen, war dann aber alleine unterwegs und die verbleibenden 70km wurden ziemlich lang... Später holte ich noch 2 Fahrerinnen auf und leider habe ich den Sprint ein paar Meter zu spät eröffnet und somit beendete ich das Rennen auf dem 11. Rang! Viel wichtiger aber war: Doppelsieg für unser Team!! 

Wir 3 waren riiiichtig happy weil wir echt hart dafür gearbeitet haben und wenn dann ein Plan aufgeht ist es einfach nur genial! :-)

 

Die Zeit in China war super! Endlich hatte ich wieder richtig Spass am Rennen fahren, ein Gefühl, das ich in den letzten Monaten schmerzlich vermisst habe. Gut zu sehen war auch, dass nach den Rennen andere Sportliche Leiter mir gratuliert haben - ja im Radsport gewinnt nicht immer unbedingt derjenige, der es am meisten verdient hätte, aber das macht diesen Sport ja auch so interessant und da ich eben nicht endschnell bin, machte es keinen Sinn auf mich zu setzen. Mich hat aber der Sieg von Arianna Fidanza in Taiyuan mehr gefreut, wie wenn ich selbst gewonnen hätte, denn es ist schön zu sehen, wenn eine junge Athletin dank deiner Unterstützung ihren grössten Erfolg erreicht.