Emakumeen Bira - "wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus"

Mit positiven Gefühlen kam ich von den Ardennen-Klassikern nach Hause und war sehr motiviert für die erste Rundfahrt dieses Jahr, Gracia Orlova. Auf der Königsetappe fuhr ich sehr offensiv und es war wohl hauptsächlich mir zu verdanken, dass die Spitzengruppe nicht mehr eingeholt wurde. Auch die zahlreichen Attacken im Finale verliefen im Sande und wir mussten uns mit dem zweiten Platz im Sprint abfinden. Im Zeitfahren platzierte ich mich in den ersten 20, was ganz ok war da ich mir wohl eine Magendarmverstimmung eingefangen hatte. Leider musste ich deshalb dann die Segel streichen, was natürlich sehr enttäuschend war, da ich bis dahin auf dem 12. Gesamtrang lag. Nach einigen Tagen Ruhe nahm ich dann die Vorbereitung für eine meiner Lieblingsrundfahrten, die Emakumeen Bira, wieder auf. Es waren zwei sehr harte aber auch enorm motivierende Wochen. Meine Leistungswerte gehen stetig aufwärts und mein Körper reagiert wieder positiv auf Trainingsreize. 

Doch natürlich wäre es viel zu einfach gewesen, wenn mal alles reibungslos verlaufen wäre... ;-) So sitze ich jetzt anstatt in Bilbao (einer Rennvorbereitung auf dem Rad, einer Massage und Nachtessen) am Flughafen in München und warte auf meinen Flug (per Taxi an die Teampräsentation fahren, ins Hotel zurück, kurz die Beine auf dem Hometrainer vertreten & schlafen). Der wurde nämlich heute morgen annulliert. Auch wenn es enorm mühsam ist, bleibt mir nichts anderes übrig wie ruhig zu bleiben und das Beste aus einer Situation zu machen, die ich eh nicht ändern kann. 

Bis vor einigen Wochen war ich noch überzeugt, dass dies das grosse "Comeback-Rennen" sein würde, doch in den letzten Tagen wurde mir klar, dass es so eines niemals geben wird. Einerseits empfinde ich dies als enorme Erleichterung denn tatsächlich war meine grösste Angst, ob ich jemals wieder dieselbe Rennfahrerin werden würde wie zuvor. Fakt ist aber, dass nichts und niemand mir jemals meine Erfolge nehmen kann und ich ehrlich gesagt eigentlich ganz schön viele schöne Erfolge einfahren konnte - dies war mir nur nie so richtig bewusst, bzw. ich hatte nie Zeit sie richtig zu geniessen. 

Die viel wichtigere Erkenntnis aber liegt darin, dass ich niemals dieselbe Rennfahrerin sein werde, weil ich nicht zurückgehen möchte, sondern vorwärts. Nur eine Handvoll Menschen weiss, was ich das letzte Jahr durchgemacht habe und wie viel Mut, Optimismus, Vertrauen und Selbstreflexion es gebraucht hat um an dem Punkt zu stehen, wo ich heute stehe - als Mensch sowie als Rennfahrerin! 

 

Nun hoffe ich, dass das Glück morgen wieder auf meiner Seite steht und ich bin extrem motiviert ein offensives Rennen zu fahren! :)