"Life lessons" & Neuanfang

Ende Jahr hatte ich weder Lust einen Saisonrückblick zu machen, noch über meine Ziele/Pläne zu sprechen...

 

Zum einen lag dies daran, dass der Dezember extrem fordernd war und zum andern dass ich nicht wusste wo anzufangen da vieles unsicher und weniges langfristig planbar war. Nun habe ich "abgeschlossen" mit dem Alten Jahr und blicke positiv in die Zukunft. Eines ist an dieser Stelle jedenfalls sicher: es kann nur besser werden!! :)

 

Nach einer extrem strengen Adventszeit habe ich die Tage bis zum 1-wöchigen Trainingslager in Girona (Katalonien) gezählt. 

Diesen Aufenthalt in meinem "zweiten Zuhause" habe ich sehr genossen und es tat gut viele gute Freunde wieder zu sehen und natürlich konnte ich eine Woche unter super Bedingungen trainieren! 

 

Das letzte halbe Jahr hat von mir viel mentale Stärke, Selbstkontrolle, Fokussierung, Einsatz und Veränderungen gefordert!

Manchmal habe ich den Glauben (sowie die Geduld) an eine Genesung beinahe verloren. Der ganze Regenerationsprozess war enorm fordernd doch heute weiss ich, dass ich dadurch zu einer stärkeren, ausgeglicheneren und fröhlicheren Athletin/Person geworden bin.

Ohne die Unterstützung meines langjährigen Coaches, meiner Sportlichen Leiterin, meines Sportarztes, Maria von "trainyoureyes" sowie meiner Familie und Freunden wäre dies nicht möglich gewesen. 

Ich weiss nicht wie ich euch allen danken kann, aber vielleicht sind ein Lächeln im Gesicht sowie die Freude am Radsport schon mal ein guter Anfang.

 

Verletzungen, Krankheit, Übertraining, Folgeschäden einer Hirnerschütterung sowie ein grosser Verlust haben mir nicht nur physisch zugesetzt, sondern besonders auch auf der mentalen Ebene ihre Spuren hinterlassen. Grundlegende Veränderungen mussten her um meine Balance wieder zu finden. 

In erster Linie musste ich aufhören zuviel nachzudenken und alles zu hinterfragen was bedeutete, dass ich mich beschäftigen musste und einen geordneten Tagesablauf benötigte. Deshalb entschied ich mich dazu, morgens zu trainieren und nachmittags einer normalen Arbeit nachzugehen. Manchmal ist es eine grosse Herausforderung aber es hat mich auch effizienter gemacht. Momentan hält es mich zumindest auf dem richtigen Weg und bewahrt mich davor, mir zu viele Gedanken zu machen. Dabei kann ich auch nicht leugnen, dass es erfrischend ist für einige Stunden ein ganz normales Leben zu führen - abgesehen von dem ab und zu etwas erhöhten Laktatpegel in den Beinen ;-). Zudem war es extrem erholsam für einige Monate keinen Flughafen gesehen zu haben, kein Velokoffer zu schleppen sowie eine Wohnung und keinen Koffer mein "Zuhause" zu nennen.

Zweitens brauchte ich ein Vergnügen nebst dem Radfahren/Sport. Nach beinahe 10 Jahren habe ich wieder begonnen Saxophon zu spielen; etwas, das ich schon lange vermisst hatte und das ich auch nur aus Zeitmangel aufgegeben hatte.

 

Der Radsport hat mich in den letzten Jahren auf harte Proben gestellt, doch die Freude am Velofahren habe ich dabei nie verloren. Den Glauben / die Illusion an einen sauberen, ethisch vertretbaren und respektvollen Sport jedoch teilweise schon. Besonders die letzten beiden Jahre habe ich mit einer kleinen Gruppe von Athletinnen sehr hart für mehr Rechte, Respekt und Wertschätzung gekämpft. Dabei musste ich auch persönlich für meine Rechte einstehen und mich dafür weit aus meiner Komfortzone begeben. Es war nicht einfach und manche Rückschläge haben uns zeitweise erstarren lassen - sie haben uns aber auch gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir nicht länger Ungerechtigkeiten hinnehmen, unsere Rechte einfordern und Werte vorleben! Es macht mich stolz zu sehen, dass daraus nun die "Cyclists Alliance" entstanden ist. Dies lässt mich auf eine bessere Zukunft hoffen und lässt mich gleichzeitig mit der Vergangenheit abschliessen. Dabei habe ich einige wichtige Lektionen fürs Leben gelernt...

 

Die wichtigste "life lesson" war dabei, dass ich, wenn die Zeit reif ist, meine Karriere mit Zufriedenheit beenden werde. So schmerzvoll der abrupte Unterbruch meiner Karriere zu Beginn auch war, hat er mir auch gezeigt, dass ich mich in einem "normalen Leben" zurechtfinden würde und noch viel wichtiger, dass ich mit vielen Erfahrungen und Erinnerungen im Rucksack in einen neuen Lebensabschnitt starten werde. 

Vorerst aber geniesse ich umso mehr die Zeit, in welcher ich meine Träume verfolgen darf.

 

Ich fühle mich gesund und bereit für sowas wie ein "Comeback". Ich habe mich zwar noch nicht zu 100% erholt, doch ich bin auf dem richtigen Weg und die Zeit wird zeigen wohin dieser führen wird - schwierige Wege führen ja oft zu schönen Zielen...

Apropos Zielen - diese habe ich natürlich schon lange in meinem Hinterkopf gehabt, doch ich bin auch Realist und war mir bewusst, dass ich mein Hauptziel nicht wählen kann. Meine Gesundheit hat für mich 2018 absolute Priorität! 

Sofern alles nach Wunsch & Plan verläuft werde ich meinen Hauptfokus auf den Giro Rosa, Emakumeen Bira, LaCourse sowie die Weltmeisterschaften legen.

 

Mein Saisonstart wird das Worldtour-Rennen "Strade Bianche" am 3.März sein. Eines meiner absoluten Lieblingsrennen - was hätte ich mir mehr wünschen können?! Ich freue mich darauf sowie bald alle neuen Gesichter der "Virtu"-Familie zu sehen! :)