Giro Rosa - 14.Gesamtrang

Lange habe ich auf den 1. Juli gewartet und dann eeendlich rollte ich von der Startrampe des Giro Rosa, dem bedeutendsten Frauen-Radrennen!
Die ersten zwei vermeintlich flachen Etappen in der Region Treviso und Friuli waren gespickt mit vielen kurzen steilen Anstiegen und das Gesamtklassement nahm schon deutliche Gestalt an. Diese technischen und sehr hektischen Etappen liegen mir nicht besonders und so war ich nicht wirklich beunruhigt, aber genervt ;-), etwas Zeit verloren zu haben. Danach folgten zwei Flachetappen wo uns leider unsere beiden Italienerinnen aufgrund gesundheitlicher Probleme verlassen mussten, somit verblieben wir noch zu Dritt und ich war nun auf mich alleine gestellt.
Doch die 5. Etappe, die Überquerung des Mortirolo (13.5km / 11%), hatte ich mir ganz dick in meiner Agenda angestrichen. Auf der Anfahrt bildete sich eine Fluchtgruppe mit einigen Favoritinnen. Ruhig bleiben hiess meine Devise und schon waren wir in den berüchtigten bis zu 16% steilen Rampen. Ich fühlte mich super und bald fuhr ich nur noch mit Guarnier, Stevens, Van der Breggen & Longo Borghini – im ersten Moment erschrak ich mich fast ein wenig. Einer der wohl härtesten Berge der Welt mit den absolut weltbesten mitzuklettern, besser hätte es nicht kommen können!! Mara Abbott war eine Klasse für sich und liess uns eiskalt stehen, keine Chance! Oben wuchs unsere Gruppe auf 9 Fahrerinnen an und leider verliess mich in der Abfahrt etwas der Mut und ich musste mich mit Platz 10 „begnügen“. Ehrlich gesagt, ich war überwältigt – davon habe ich geträumt, aber zugetraut haben mir eine solche Leistung wenige, am wenigsten wohl ich mir selbst. Damit rückte ich auch im GC auf Platz 10 vor, wow!
Doch tags darauf sollte ich einer der schwärzesten Tage meiner Karriere erleben... Die Etappe in Ligurien war mit 4 Bergen gespickt und es war über 40 Grad im Schatten. Anfangs fühlte ich mich super, doch dann flackerte ein Schildchen „game over“ auf. Ich hatte nicht schlechte Beine, aber ich fühlte mich, als würde ich in den nächsten Minuten tot umfallen... Offensichtlich war ich nicht die einzige, Longo Borghini ereilte dasselbe Schicksal und wir fuhren 60km zu Fünft ins Ziel. Nach der Etappe gings mir richtig schlecht und deshalb hatte ich gemischte Gefühle vor dem Start zum Zeitfahren. Glücklicherweise war es deutlich kühler und ich fühlte mich eigentlich ganz normal. Ich erwischte einen guten Start, fühlte dass ich schnell war und besonders die Abfahrt gelang mir für meine Verhältnisse sehr gut. Mit dem 7. Rang habe ich alle meine Erwartungen übertroffen, das tat meiner Moral gut! 

Das Glück sollte aber nicht lange währen: 500m nach dem Start zur zweitletzten Flachetappe wurde ich umgefahren und ich hatte einen heftigen Aufprall: Hämatome am ganzen Körper, aufgeschlagenes Kinn, gestauchter Daumen etc.! Der letzte Tag war dann nochmals eine richtige Qual. Ich hatte starke Schmerzen und mein Körper wollte heute einfach nicht Rad fahren. Ich kämpfte und gab alles, was ich eben in diesem Moment zu geben hatte. Ich beendete den Giro auf dem 14. Gesamtrang, damit bin ich sehr zufrieden. Es gibt noch so vieles, das ich verbessern kann oder besser laufen könnte und darum freue ich mich schon auf nächstes Jahr!!


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